Frische Wurst und Fleisch gibt es bei Müllers seit 100 Jahren

Von Jan Lange, Sächsische Zeitung

Bernd Müller betreibt die traditionsreiche Fleischerei am Ostritzer Mark in der dritten Generation.

Besonders den Hackepeter und die Leberwurst kann Marita Böhmer empfehlen. Schon seit Jahren ist die 58-jährige treue Stammkundin der Ostritzer Fleischerei Müller. "Meine Eltern sind bereits dort einkaufen gegangen", erzählt sie. So wie Marita Böhmer geht es vielen Ostritzern, sie kaufen gern und regelmäßig in dem Fleischerfachgeschäft am Markt ein.

Möglich ist dies seit 100 Jahren. Im Jahr 1911 übernahm der junge Fleischergeselle Max Müller aus Dittersbach das Geschäft, der Vorgänger Oswald Friedrich hatte keinen Nachfolger für seinen Betrieb. Seitdem befindet sich die Fleischerei im Familienbesitz der Müllers.

In dritter Generation führt heute Bernd Müller den Familienbetrieb. Vor fast 25 Jahren hatte Gerhard Müller die Leitung der Fleischerei an seinen Sohn Bern übergeben. Dieser wandelte sie nach der Wende vom staatlichen HO-Betrieb wieder in eine private Fleischerei um.

Den Schritt in die Selbstständigkeit bereut er bis heute nicht. Auch wenn es in den vergangenen 20 Jahren den ein oder anderen Rückschlag gab. Dazu gehört beispielsweise die Schließung der Dittersbacher Filiale. Wie viele andere Unternehmer hatte auch Bernd Müller in den 90er Jahren auf die Erweiterung und den Ausbau seines Geschäftes gesetzt, 1992 eröffnete er den Laden im Nachbarort.

Etwa zehn Jahre später gab er ihn wieder auf, der Umsatz lohnte sich nicht mehr. Das Stammgeschäft in Ostritz blieb erhalten. Hier bekommen die Kunden täglich frisch zubereitete Wurst- und Fleischwaren, zu HO-Zeiten war eigene Herstellung nur in kleinem Umfang möglich. Die frische Produktion unterscheidet die Fleischerei Müller von manch anderem Fleischereibetrieb in der Region. Aus dem Grund kaufen bei Müllers nicht nur die Ostritzer ein, die Kunden kommen bis aus Zittau und Görlitz her.

Dies liegt auch an der geringeren Zahl von Fleischereien im Landkreis. Als Max Müller 1911 dem Betrieb übernahm, gab es noch neun weitere Geschäfte dieser Art in Ostritz. Heute existieren mit der Fleischerei Müller gerade noch zwei in der Neißestadt. Durch das August-Hochwasser wäre der zweite Laden fast auch noch kaputt gegangen. Doch Christa Volkmann baute ihre Fleischerei trotz Totalschaden wieder auf.