Ostritzer lieben Müllers Wurst

Von Jan Lange, Ostritzer Stadtanzeiger

Die Fleischerei Müller am Markt ist in der Neißestadt eine Institution. Jetzt erhielt der Betrieb eine Auszeichnung.
So wie das Amen zur Kirche gehört, so gehört die Fleischerei Müller auf den Ostritzer Markt. Und das seit über 100 Jahren.

Max Müller übernahm die Fleischerei 1911. Der vorherige Besitzer, Oswald Friedrich, war plötzlich verstorben und einen Nachfolger in seiner Familie gab es nicht. So konnte der junge Fleischergeselle aus Dittersbach den Betrieb erwerben und weiterführen. Max Müller stammte selbst aus einer Fleischerfamilie. Da er allerdings zahlreiche Geschwister hatte, konnte er das Familienunternehmen in Dittersbach nicht übernehmen. Für die Ostritzer war dies von Vorteil, denn so kam der junge Fleischer in die Neißestadt.

Nachdem jahrelang Max Müllers Sohn Gerhard den Betrieb geleitet hatte, führt ihn heute Bernd Müller in dritter Generation weiter. Und dies ist nicht immer nur einfach, wie Katrin Müller erklärt. Denn aufgrund der sinkenden Einwohnerzahl verringert sich auch die Stammkundschaft. "Man muss sich immer etwas Neues ausdenken, um die Kunden weiterhin anzulocken", sagt Katrin Müller. Dazu gehören auch die selbst gemachten Pasteten, die alle Unikate sind. Bei Wurst und Fleisch bieten die Müllers ebenfalls immer wieder mal neue Variationen an. So wie den Schinkenkrakauer oder die sogenannten Neißewürmchen, eine Art Salami-Knacker.

Beides gibt es nur in dem Fleischereigeschäft auf dem Ostritzer Markt. Denn die Müllers betreiben im Gegensatz zu anderen Fleischern der Region keine Filialen. Angebote, ein Zweitgeschäft zu eröffnen, gab es durchaus. Doch die Müllers haben sich bewusst dagegen entschieden. Auch wegen der Erfahrungen in den 90er Jahren. Bern Müller hatte damals wie seine Kollegen auf die Erweiterung und den Ausbau seines Geschäftes gesetzt. In Dittersbach eröffnete er 1992 eine Filiale. Knapp zehn Jahre später musste sie wieder geschlossen werden, der Umsatz hatte einen weiteren Betrieb nicht mehr gerechtfertigt. Heute investieren Bernd und Katrin Müller ihre gesamte Energie in das Ostritzer Hauptgeschäft.

Für ihr Engagement zeichnete sie in der vergangenen Woche die Ostritzer Bürgermeisterin Marion Prange mit einer Ehrenurkunde aus. Die Rathauschefin ehrte damit auch ihren Einsatz außerhalb des Unternehmens. "Ob beim Weihnachtsmarkt oder Stadtfest – auf ihre Hilfe ist immer Verlass", heißt es in der Begründung für die Auszeichnung. Die Müllers bringen sich darüber hinaus aktiv beim Vereinsstammtisch sowie in der Arbeitsgruppe "Ostritzer Leben" ein. Mit vielen solcher kleinen Taten lässt sich etwas Großes bewegen. Davon ist auch die Ostritzer Bürgermeisterin überzeugt. "Wir können uns auf das neue Jahr freuen und in die Vollen gehen, auch wenn es sicher wieder Gegenwind geben wird", so die Rathauschefin.